Von Seebären und Landratten


Nautische Redensarten verwenden gern metaphorische Bezeichnungen, also bildhafte Ausdrücke wie „Landratte“ oder „Seebär“. Mit solchen Begriffen werden Personen in der Seemannssprache sehr anschaulich beschrieben – und wie die beiden Beispiele zeigen, damit gewissermaßen auch charakterisiert. Denn mit Landratten verbindet wohl niemand etwas Gutes, ein Seebär dagegen dürfte bei den meisten positive Assoziationen hervorrufen.

Als Seebären bezeichnet man – neben zwei speziellen Gattungen von Ohrenrobben – erfahrene Seemänner. Im Gegensatz zu einem Schiffsjungen, der an Bord eine Ausbildung oder ein Praktikum absolviert, hat ein Seebär im sprichwörtlichen Sinne „Rang und Namen“. Das Ansehen eines Schiffsjungen wird aus Sicht eines Seemanns nur noch von einer Landratte unterboten. Ratten werden gern in nautischen Redensarten erwähnt, um Zweibeiner mit negativen Attributen zu versehen: Die Redensart „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ beschreibt etwa feiges Verhalten wie bei Gefahr übereilt von Bord zu gehen, während der Rest der Mannschaft mit vereinten Kräften versucht, der Lage noch Herr zu werden.

Landratten erkennt man an ihrem ungeschickten Gang an Bord

Landratten erkennt man an ihrem ungeschickten Gang an Bord, der dem Gang eines Seemannes an Land gleicht. Auf festem Grund fehlt nämlich der Wellengang, der Schiffe schaukeln lässt, was ein echter Seebär auszugleichen versucht – doch ohne Wellen schaukelt er selbst. Das wird auch nicht viel besser, wenn ein Seemann die Hafenkneipe verlässt und eine ganz besondere Ladung zurück an Bord schafft, wenn auch mit Schlagseite. Aber so etwas kommt in der modernen Seefahrt natürlich so gut wie nicht mehr vor.

 

Quellen: Walter Schmidt / DVV
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