Fast vier Jahre nach dem Kauf der Afrika-Aktivitäten der Deutschen Afrika-Linien hat Hapag-Lloyd erneut in der Containerschifffahrt zugekauft. Die Hamburger Linienreederei übernimmt den israelischen Wettbewerber Zim.
Um Zim hatte es bereits im vergangenen Herbst Verkaufsgerüchte gegeben. Als mögliche Käufer galten auch MSC und Maersk. Den Zuschlag erhält nun Hapag-Lloyd. Der Kaufpreis beträgt 4,2 Milliarden US-Dollar. Zim ist nach Stellplatzkapazität aktuell die weltweite Nummer zehn.
Hapag-Lloyd sichert mit dem Zukauf seinen fünften Platz im Ranking der größten Linienreedereien ab. Das Unternehmen liegt damit weiter hinter Cosco und vor ONE. Zusammen kommen Hapag-Lloyd und Zim auf knapp 3,1 Millionen TEU Kapazität.
Zim soll künftig als neue, 100-prozentige Tochtergesellschaft zu Hapag-Lloyd gehören. Der Abschluss der Transaktion ist bis Ende des Jahres geplant. Voraussetzung sind kartell- und investitionsrechtliche Genehmigungen sowie die Zustimmung der Zim-Hauptversammlung. Entscheidend ist zudem die Zustimmung des Staates Israel. Israel hält Sonderrechte, die in der Satzung von Zim verankert sind. Außerdem müsse Zim laut Hapag-Lloyd aus Verpflichtungen entlassen werden, die aus diesen staatlichen Sonderrechten entstehen.
Hapag-Lloyd will mit der Übernahme Marktanteile in wichtigen Fahrtgebieten ausbauen. Auf dem Atlantik ist das Unternehmen laut Container Trades Statistics bereits die Nummer zwei. Es rückt damit noch näher an Marktführer MSC heran. Im Intra-Europa-Geschäft steigt der Marktanteil auf 7 Prozent und wird damit mehr als verdoppelt. CEO Habben Jansen hatte Hapag-Lloyd dort bislang als zu schwach eingeordnet. Im Transpazifik-Verkehr verbessert sich die Reederei von Rang sechs auf Rang vier.
Terminal in Damietta startet kommerziellen Betrieb
Kurz vor dem Bekanntwerden der Übernahme hat Hapag-Lloyd ein neues Containerterminal im ägyptischen Damietta in Betrieb genommen. Mit dem Erstanlauf der „Essen Express“ soll nach Angaben der Reederei der kommerzielle Betrieb starten. Die Anlage ist als Umschlagdrehkreuz im östlichen Mittelmeer vorgesehen.
Das Terminal ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Hapag-Lloyd. Die Reederei hält über ihre Tochter Hanseatic Global Terminals 39 Prozent. Eurogate und Contship Italia sind mit jeweils knapp 30 Prozent beteiligt. Hinzu kommen zwei kleinere ägyptische Partner.
Bei voller Auslastung soll das Terminal bis zu 3,3 Millionen Standardcontainer pro Jahr umschlagen. Rund vier Fünftel des Volumens entfallen laut Unternehmensangaben auf den Weitertransport zu anderen Häfen. Der Rest betrifft Im- und Exporte für den ägyptischen Markt.
Die Konzession läuft über 30 Jahre. Für Hapag-Lloyd ist Damietta ein Baustein im Gemini-Netzwerk. Dieses betreibt die Hamburger Reederei gemeinsam mit Maersk. Die Allianz setzt auf eigene Terminals, um Abfertigungszeiten und Fahrplantreue besser steuern zu können.
Quellen: Hapag-Lloyd/Zim











