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Foto: Andreas Burmann
Wollen gemeinsam den JadeWeserPort weiter nach vorne bringen: Holger Banik, unter anderem Geschäftsführer der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketinggesellschaft, und Hannah Ohorn, Geschäftsführerin des Eurogate Container Terminals Wilhelmshaven.
Foto: Andreas Burmann
JadeWeserPort: Starker Hub, starkes Hinterland
Veröffentlicht am 28.10.2026

Der JadeWeserPort bleibt auf Wachstumskurs: Nachdem im September 2025 der Containerumschlag erstmals die Eine-Million-TEU-Marke geknackt hatte, konnte diese Marke 2026 bereits im August erzielt werden. Ein Interview mit Holger Banik, Geschäftsführer der JadeWeserPort Realisierungs-Gesellschaft sowie von der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing und Hannah Ohorn, Geschäftsführerin des Eurogate Container Terminal Wilhelmshaven.

Herr Banik, Frau Ohorn, nach dem Rekordjahr 2025 setzt sich das Wachstum 2026 fort. Was ist jetzt entscheidend?

HOLGER BANIK: Wir wollen nicht bei rund 1,5 Millionen TEU stehen bleiben. Deshalb brauchen wir zusätzliche Liniendienste und müssen unsere verfügbaren Flächen so vermarkten, dass dort Wertschöpfung entsteht und zusätzliche Import- und Exportmengen generiert werden. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir weitere Verkehre nach Wilhelmshaven holen.

HANNAH OHORN: Am Terminal müssen wir die operativen Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Entscheidend sind flexible Personalkapazitäten, eine stabile Geräteverfügbarkeit und effiziente Prozesse. Wir wollen Produktivität und Kapazität erhöhen, ohne den Ressourceneinsatz im gleichen Maße zu steigern. So sichern wir Qualität, Zuverlässigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen.

Ein erheblicher Teil des jüngsten Wachstums entfällt auf Transshipment. Wie wichtig sind jetzt noch stärkere Schritte ins Hinterland?

OHORN: Transshipment ist ressourcen. und kostenintensiv, weil die wasserseitigen Bewegungen viel Equipment und eine sehr präzise Planung erfordern. Deshalb richten wir einen stärkeren Fokus auf das landseitige Wachstum. Die Infrastruktur ist vorhanden. Jetzt müssen wir gemeinsam mit unseren Kunden attraktive Produkte entwickeln und Verlader überzeugen. Noch besteht ein klassisches Henne-Ei-Problem zwischen Angebot und Nachfrage.

BANIK: Für die Bahn sind möglichst ausgewogene Import- und Exportverkehre wichtig. Je mehr Menge vorhanden ist, desto attraktiver werden Verbindungen und desto leichter lassen sich Operateure an den Hafen binden. Deshalb gehen wir mit unserer Veranstaltungsreihe „Hafen trifft Festland“ bewusst dorthin, wo die Verkehre sind – in Deutschland und im Ausland. Jetzt müssen wir das Netzwerk weiter ausbauen.

Aufseiten des JadeWeserPort sollen Flächenvermarktung, Ansiedlungen und Standortentwicklung stärker zusammenspielen. Was bringt das konkret?

BANIK: Für mich hängt das unmittelbar zusammen. Wir vermarkten Flächen an Investoren, die dort Hallen bauen oder Unternehmen ansiedeln und damit Wertschöpfung und Verkehre in den Hafen bringen. Dafür haben wir bei der JadeWeserPort-Marketinggesellschaft ein Team für nationalen und internationalen Vertrieb sowie Kommunikation. Diese Kompetenzen kann ich mit meinen Erfahrungen aus dem Immobilien- und Hafenmanagement zusammenbringen.

OHORN: Auch für den Terminalbetrieb ist dieses Zusammenspiel sehr wichtig. Wir müssen gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, um zusätzliche Mengen nach Wilhelmshaven zu bringen und effizient abzuwickeln. Die größte Chance sehe ich im Hinterland: Wir brauchen attraktive Verbindungen, Ansiedlungen und zusätzliche Ladungsströme. Langfristig ist die Kombination aus einem starken Transshipment-Hub und einem leistungsfähigen Hinterland-Gateway entscheidend, um den Standort robuster und für unsere Kunden noch attraktiver zu machen.

Herr Banik, welche Unternehmen und Branchen sollen sich künftig auf den verfügbaren Flächen ansiedeln?

BANIK: Wir konzentrieren uns auf Unternehmen, die Volumen und Wertschöpfung für den Hafen erzeugen. Dabei denken wir längst nicht mehr nur an klassische Containerlogistik. Im Fokus stehen auch On- und Offshore-Aktivitäten, die Automobilwirtschaft sowie energienahe Nutzungen. Hinzu kommen mögliche Anwendungen im Bereich der militärischen Logistik. Die geopolitischen Rahmenbedingungen haben das Spektrum erweitert. Es geht darum, Flächen langfristig an Nutzer zu vergeben, die zum Standort passen und zusätzliche Verkehre erzeugen.

Frau Ohorn, Eurogate hat zwei zusätzliche Containerbrücken in Betrieb genommen und Personal aufgebaut. Was verändert sich dadurch?

OHORN: Damit haben wir frühzeitig die Voraussetzungen geschaffen, um die erwarteten zusätzlichen Volumina zuverlässig abzuwickeln – auch mit Blick auf den neuen EMX-Dienst, den East Med Express von Hapag-Lloyd. Mit den zusätzlichen Brücken sowie verstärkten Ressourcen bei Equipment und Personal können wir eine höhere Berth Productivity erreichen, zusätzliche Mengen effizient bearbeiten und zugleich eine stabile Leistung für unsere Kunden sichern.

Ende 2027 soll zudem ein automatisiertes Mini-Terminal testbereit sein. Welche Rolle spielt die Automatisierung?

OHORN: Dort wollen wir unter realen Bedingungen vor allem automatisierte Transporte und Yard-Prozesse testen und sicher in unsere Abläufe integrieren. Technisches Verständnis, digitale Kompetenz und die Steuerung automatisierter Systeme werden wichtiger, ebenso das Verständnis der gesamten Terminalprozesse. Automatisierung bedeutet für uns vor allem Weiterentwicklung. Entscheidend ist, die Kolleginnen und Kollegen frühzeitig einzubeziehen und gezielt zu qualifizieren.

Reichen die Kapazitäten auf Straße und Schiene aus, wenn Wilhelmshaven weiter wächst?

BANIK: Im Hafen selbst sind wir sehr gut aufgestellt und können deutlich wachsen. Die Schieneninfrastruktur ist bis in den Hafen elektrifiziert, und wir haben Kapazitäten für zusätzliche Verkehre. Die Bahnstrecken außerhalb des Hafens haben wir nicht selbst in der Hand. Insgesamt sind wir aber gut gerüstet, um das Wachstum der kommenden Jahre auf Straße und Schiene abzufangen.


Über Holger Banik

Holger Banik ist seit 2014 Geschäftsführer der JadeWeserPort Realisierungs-Gesellschaft. Zum 1. Mai 2026 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing. Banik ist außerdem Sprecher der Geschäftsführung von Niedersachsen Ports, der Hafeninfrastrukturgesellschaft des Landes Niedersachsen. Von 1996 bis 2007 sammelte er Führungserfahrung im Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn in kaufmännischen Funktionen, unter anderem in Finanzen, Controlling, Planung und Berichtswesen. 2007 wechselte er zur Hafenmanagementgesellschaft Bremenports, 2011 übernahm er dort die kaufmännische Geschäftsführung.

Über Hannah Ohorn

Hannah Ohorn ist Ingenieurin und seit Anfang 2026 alleinige Geschäftsführerin des Eurogate Container Terminal Wilhelmshaven (CTW). Sie kam im Juni 2023 zu Eurogate, war seit Juli 2024 Operations-Managerin am CTW und übernahm im Oktober 2025 die Geschäftsführung. Ohorn kennt die maritime Transportkette aus Reederei- und Terminalperspektive und bringt beide Blickwinkel in ihre heutige Aufgabe ein.


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