Am 1. Mai 2026 hat Holger Banik die Geschäftsführung der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing GmbH & Co. KG übernommen. In einem Interview mit dem Täglichen Hafenbericht (THB) spricht der erfahrene Hafenexperte über seine neue Aufgabe und anstehende Herausforderungen.
Herr Banik, Sie führen seit Mai zusätzlich die JadeWeserPort-Marketinggesellschaft. Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgabe mit?
Holger Banik Bei Niedersachsen Ports verantworte ich auch den Immobilienbereich. Dort beschäftigen wir uns intensiv mit Flächen und ihrer Vermarktung. Beim JadeWeserPort kommt für mich vor allem die internationale Dimension hinzu. Hier werde ich von einem erfahrenen Team für nationalen und internationalen Vertrieb und für Kommunikation unterstützt.
Der Containerumschlag in Wilhelmshaven ist stark gewachsen. Was muss jetzt geschehen, damit daraus dauerhaft weiteres Wachstum entsteht?
Wir haben noch Flächen, die vermarktet werden können. Dort wollen wir Kunden ansiedeln, die Mengen bringen – im Import wie im Export. Uns ist wichtig, Wertschöpfung im Hafen zu generieren. Gleichzeitig brauchen wir noch zusätzliche Dienste, wenn wir beim Umschlag weiter wachsen wollen. Wir wollen nicht bei rund 1,5 Millionen TEU stehen bleiben. 2,7 Millionen TEU können ohne große Anpassungen umgeschlagen werden.
Welche Rolle spielt das Hinterland für dieses weitere Wachstum?
Eine große. Unsere Bahnquote kann noch verbessert werden. Für die Operateure ist entscheidend, dass genügend Import- und Exportverkehre vorhanden sind. Dann lassen sich Leerverkehre reduzieren und die Verbindungen werden wirtschaftlicher. Je mehr Menge wir haben, desto besser wird auch die Anbindungsqualität auf der Schiene in Richtung Hinterland.
Wie wollen Sie zusätzliche Verkehre gewinnen?
Wir müssen das Netzwerk des JadeWeserPorts im Hinterland weiter ausbauen. Deshalb gehen wir mit unseren Veranstaltungsformaten gezielt dorthin, wo Verkehre entstehen. Wir waren in Budapest und Prag, auch Wien gehört zu den Märkten, die wir bearbeiten. Dort betreiben wir Akquise und bringen den Hafen mit Kunden und Operateuren zusammen. Der Bekanntheitsgrad des JadeWeserPorts ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Jetzt müssen wir daran arbeiten, noch mehr Anbindungen zu bekommen.
Sie haben bereits die noch verfügbaren Flächen angesprochen. Welche Nutzungen kommen dafür in Betracht?
Das Güterverkehrszentrum ist heute nicht mehr nur ein Thema für Container. Container bleiben wichtig, aber hinzu kommen immer stärker On- und Offshore, Energie und Automotive. Auch das Thema Militär denken wir mit. Das sind Punkte, die vor einigen Jahren so noch nicht im Vordergrund standen. Die geopolitischen Rahmenbedingungen haben sich verändert, und damit hat sich auch das Spektrum dessen erweitert, was wir bei der Entwicklung des Standorts berücksichtigen müssen.
Was bedeutet diese größere Bandbreite konkret für die Flächenvermarktung?
Wir müssen uns bei freien Flächen sehr genau überlegen, welche Unternehmen langfristig dorthin passen und welche zusätzliche Wertschöpfung sie mitbringen. Manche Flächen sind heute nur kurzfristig vermietet. Hier prüfen wir, ob wir langfristig Unternehmen ansiedeln können, die zusätzliche Wertschöpfung am Standort erzeugen. Dabei geht es, wie ich eben schon erwähnt habe, nicht nur um Container, sondern auch um die anderen Bereiche, die wir inzwischen für Wilhelmshaven mitdenken.
Es geht also mehr um Ansiedlungsmanagement als um den reinen Vertrieb?
Genau. Flächen müssen entwickelt werden, und dafür müssen die planerischen und ökologischen Voraussetzungen geschaffen sein. Bei den neuen Flächen im Voslapper Groden Nord sind beispielsweise Kohärenzmaßnahmen erforderlich, bevor gebaut werden kann. Einzelne Aktivitäten, Aussagen oder Bausteine müssen inhaltlich zusammenpassen, aufeinander abgestimmt sein und einem gemeinsamen Ziel folgen. Hinzu kommen Planung, Genehmigungsverfahren und die Finanzierung. Das sind alles große Aufgaben. Deshalb hat sich die Arbeit der Marketinggesellschaft in den vergangenen Jahren deutlich erweitert.
Ist die Verkehrsinfrastruktur des JadeWeserPorts für dieses Wachstum gerüstet?
Im Hafen selbst sind wir sehr gut angebunden – auf der Straße, auf der Schiene und natürlich über die Seeseite. Wir können sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene noch deutlich wachsen. Die Bahn ist bis in den Hafen hinein elektrifiziert, und die Anlagen bieten ausreichende Kapazitäten. Ich sehe derzeit im Hafen selbst keine Engpässe für weiteres Wachstum.
Über Holger Banik
Holger Banik ist seit 2014 Geschäftsführer der JadeWeserPort Realisierungs-Gesellschaft. Zum 1. Mai 2026 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing. Banik ist außerdem Sprecher der Geschäftsführung von Niedersachsen Ports, der Hafeninfrastrukturgesellschaft des Landes Niedersachsen. Von 1996 bis 2007 sammelte er Führungserfahrung im Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn in kaufmännischen Funktionen, unter anderem in Finanzen, Controlling, Planung und Berichtswesen. 2007 wechselte er zur Hafenmanagementgesellschaft Bremenports, 2011 übernahm er dort die kaufmännische Geschäftsführung.











